Die Geschichte unserer Kläranlage

Die Kläranlage "Grafrath" des Zweckverbandes zur Abwasserbeseitigung "Obere Amper" wurde 1977 als Belebungsanlage mit gemeinsamer Schlammstabilisierung gebaut. Die Ausbaugröße betrug 12.500 Einwohnergleichwerte (EWG). Die Kläranlage  entsprach dem damaligen Stand der Technik.

 

1992 wurde die Kläranlage nach den zu dieser Zeit  gültigen Richtlinien für die Stickstoff- und Phosphatelimination nachgerüstet. Um eine gezielte Stickstoffelimination mit dem vorhandenen Beckenvolumen zu gewährleisten, musste die Ausbaugröße auf 11.500 EWG abgestuft werden. Damit war eine gesicherte Abwasserreinigung gegeben, eine sichere Schlammstabilisierung konnte aber nur bis zu einer mittleren Auslastung von 6.000 EWG gewährleistet werden.

 

Die abwasserrechtliche Genehmigung für die Kläranlage lief am 31.12.2004 aus. Der weitere Betrieb erfolgte daraufhin auf der Basis von zeitlich eng begrenzten Zwischenbescheiden. Um einerseits die Problematik der ungenügenden Schlammstabilisierung und die damit verbundenen - nicht immer auszuschließenden - Geruchsbeeinträchtigungen zu beseitigen und andererseits eventuell erforderliche Erweiterungsmaßnahmen aufzuzeigen, beauftragte der Zweckverband  2005 das Ingenieurbüro Dippold und Gerold mit einer Studie. Darin wurde festgestellt, dass bei einem Planungszeitraum von 20 Jahren eine Ausbaugröße von 13.000 Einwohnergleichwerten erforderlich wird. In dieser Studie wurden unterschiedliche Varianten für die Abwasserreinigung und Schlammstabilisierung untersucht. Als wirtschaftlich günstigste Variante wurde die gemeinsame aerobe Schlammstabilisierung mit vorgeschalteter Denitrifikation gewählt. Diese Verfahrensweise ist relativ einfach, sie ist aufgrund der Zweistraßigkeit sehr betriebssicher. Dieses Konzept weist eine große Pufferkapazität gegen Belastungsstöße auf - bei  geringem Personalbedarf für den Betrieb. Die Investitionskosten können relativ niedrig gehalten werden. Dieses Konzept verursacht eine minimale Geruchsentwicklung. Diese weiter reduzierte Geruchsbelästigung konnte durch ein separates olfaktorisches Gutachten bestätigt werden.

 

Für die umgerüstete Kläranlage hat das zuständige Landratsamt eine bis zum Jahr 2028 gültige wasserrechtliche Genehmigung erteilt, so dass aufgrund des jetzigen Ausbaustandes bis dahin keine weiteren größeren technischen Maßnahmen zu erwarten sind. Wir dürfen auch davon ausgehen, dass nach den durch die Umrüstung erforderlichen Gebührensteigerungen weitere Gebührensprünge vermieden werden können.

 

Für die Umsetzung der geplanten Kläranlagenerweiterung wurden folgende Maßnahmen erforderlich:

 

  • Versetzen der vorhandenen Lagerhalle
  • Erneuerung des Siebrechens
  • Anpassung des Zulaufhebewerks und der Rücklaufschlammpumpen
  • Neubau des Belebungsbecken 1, aufgeteilt in 4 Kammern mit einem Gesamtvolumen von 2.970 m³
  • Erneuerung der maschinellen Ausrüstung vom Belebungsbecken 2 und Betonsanierung des Beckens
  • Erneuerung der Gebläsestation
  • Neubau eines Voreindickers 
  • Neubau eines Prozesswasserspeichers mit einem Volumen von 800 m³
  • Neubau von drei Schlammstapelbehältern mit je 800 m³ Volumen
  • Errichtung einer Betriebswasserversorgungsanlage für den neuen Siebrechen
  • Errichtung der verbindenden Rohrleitungen und Kanäle
  • Erneuerung der Verkehrsflächen
  • Erneuerung der elektro-, mess- und regeltechnischen Anlagen
  • Errichtung eines Prozessleitsystems

 

Die Erweiterung der Kläranlage erfolgte bei laufendem Betrieb der bestehenden Anlage - ohne Betriebsunterbrechung

 

Zuerst wurde das neue Belebungsbecken mit 4 Kammern errichtet und vollständig ausgerüstet, das Zulaufpumpwerk und die Gebläsestation angepasst und im Oktober 2007 in Betrieb genommen. Dies war die Voraussetzung für die Außerbetriebnahme und den Umbau des Belebungsbeckens 2.

 

Bei den Schlammstapelbehältern wurden zuerst der Prozesswasserspeicher und der Voreindicker gebaut, ausgerüstet und im Dezember 2007 in Betrieb genommen. Der Prozesswasserspeicher wurde provisorisch als Schlammspeicher benutzt als Voraussetzung für den Abriss des vorhandenen Schlammbeckens 2, an dessen Standort die Schlammstapelbehälter 1 - 3 errichtet wurden. Die baulichen Maßnahmen wurden im Juni 2008 fertig gestellt.
Die Gesamtfertigstellung, einschließlich der elektrotechnischen Ausrüstung, erfolgte im August 2008 vor Ablauf des vereinbarten Endtermins Oktober 2008 unter Einhaltung des Kostenrahmens.

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